Der Künstler Hundertwasser

Friedensreich Hundertwasser hieß in Wirklichkeit Friedrich Stowasser und war einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Der gebürtige Wiener erblickte 1928 das Licht der Welt und sah sich als Jude, obwohl katholisch getauft, schon in jungen Jahren mit dem Holocaust konfrontiert. Hundertwasser wurde durch seine Art zu Malen und Farbe experimentell zu benutzen weltberühmt. Seine Popularität erreichte der Künstler auch durch viele Reisen in Europa, Asien und Australien. Im Jahr 2000 verstarb Friedensreich Hundertwasser auf einer Kreuzfahrt von Neuseeland zurück nach Hause.

Während seiner Schaffenszeit hat Hundertwasser viele unterschiedliche Kunstprojekte gestaltet. Neben seinen berühmten architektonischen Schöpfungen entwarf der Künstler auch Briefmarken, Plakate und natürlich unzählige Bildmalereien. Darüber hinaus wurde er für seine Gestaltung von hundert verschiedenen Lateinwörterbüchern im Jahre 1994 bekannt, die auch noch nach seinem Tod in dieser großen Stückzahl verkauft werden. Das Wörterbuch "Der kleine Stowasser" geht übrigens auf Joseph Maria Stowasser zurück, der ein Nachfahre Hundertwassers ist und das Werk 1894 veröffentlichte.

Der Künstler Hundertwasser bezeichnete seine künstlerischen Tätigkeiten als "vegetativ". Deshalb spielt die Natur auch eine bedeutende Rolle in seiner aktiven Schaffenszeit. Besonders die architektonischen Kunstwerke dokumentieren bis heute die tiefe Verbundenheit des Wiener Malers mit der Natur. Mehrere bedeutende Gebäude zeugen von ausgeprägter Dachbegrünung und ungewöhnlicher Bepflanzung an Mauerwerk und Fassade. Eins seiner berühmtesten Bauten ist das "Ronald-McDonald-Haus" in Essen. Die "McDonald's Kinderhilfe Stiftung" betreibt in Deutschland mehrere Einrichtungen, die sich für schwerkranke Kinder einsetzt. Das von Hundertwasser gestaltete Haus in Essen zeichnet sich durch eine sogenannte grüne Rampe aus, die vom Boden bis zur Bedachung des Gebäudes reicht. Auf ihr befinden sich mehrere Bäume, Büsche und Gräser. Aber auch die Balkone und Vorsprünge des Hauses zeugen von ausgeprägter Flora und Fauna.

Nicht minder populär ist wohl die "Grüne Zitadelle" von Magdeburg. Der ehemalige DDR-Plattenbau wurde komplett abgerissen und im Hundertwasserstil neugebaut. Der 2005 eröffnete Komplex beherbergt hauptsächlich Wohnungen. Es gibt aber auch Cafes, Geschäfte und einen Hundertwassershop. Natur ist auf dem gesamten Anwesen zu finden. Rasen auf dem Dach, Bäume, die an Wänden wurzeln - die "Grüne Zitadelle" ist eine interessante Symbiose aus Garten und Haus. Die Mieter sind übrigens angehalten, sich um die Bepflanzung in Wohnungsnähe zu kümmern beziehungsweise deren Pflege zu übernehmen.

In Darmstadt steht die Waldspirale, ein im Jahr 2000 fertig gestellter und von Hundertwasser gestalteter Gebäudekomplex. Auffällig ist eine große grüne Rampe, die, ähnlich wie beim "Ronald-McDonald-Haus" in Essen, vom Erdboden bis zu den oberen Stockwerken reicht. Auch ein paar der im Gebäude befindlichen Wohnungen weisen den typischen Hundertwasserstil auf. Ihre Charakteristika sind abgerundete Ecken und eine kunterbunte Fliesenwelt. Darüber hinaus sind sämtliche Fenster der Waldspirale, und das sind immerhin weit über tausend, handgefertigte Einzelstücke. Neben den Wohnungen gibt es in der sogenannten "Ökosiedlung" auch gastronomische Betriebe, ein Reisebüro und einen Kinderspielplatz.

In Hundertwassers Geburtstadt selbst gibt es auch ein vom Künstler gestaltetes Bauwerk. Das sogenannte Hundertwasser-Krawinahaus wurde 1985 eröffnet und befindet sich im dritten Wiener Gemeindebezirk. Wie die anderen architektonischen Kunstwerke weist auch das Hundertwasser-Krawinahaus viele Grünflächen und intensive Bepflanzungen auf. Die Grünanlage auf dem Dach ist besonders erwähnenswert, denn die vor über zwei Jahrzehnten gepflanzten Bäume sind in der Zwischenzeit enorm gewachsen. In dem Gebäude befinden sich über 50 Wohneinheiten und einige Lokale. Mehrere Dachterrassen können von den Bewohnern gemeinschaftlich genutzt werden.

Etwas weniger begrünt, aber trotzdem nennenswert ist der Bahnhof Uelzen in der Nähe von Hannover. Eine Umgestaltung des alten Uelzener Bahnhofs erfolgte im Rahmen der Weltausstellung "Expo 2000". Friedensreich Hundertwasser setzte auch bei der Neugestaltung des Empfangsgebäudes auf seine traditionellen Kunstelemente. Eine bunte Farbvielfalt und möglichst keine klaren Linien zeichnen deshalb den Uelzener Bahnhof aus. Das Kunstwerk gilt als Touristenattraktion und wird von mehreren hunderttausend Besuchern jährlich besucht. Neben einigen Regionalverkehrszügen halten auch täglich vereinzelt Fernverkehrszüge in Uelzen, die Richtung Berlin, Hamburg und Frankfurt unterwegs sind.


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